Augendiagnose - die Befunderhebung aus dem Auge

Die Augen sprechen Bände – sie sagen viel über den Charakter des Menschen; schon bei Hippokrates (3.Jhdt. v. Chr.) findet man derartige Feststellungen. Auch die alte chinesische Medizin befasste sich bereits mit dem Beobachten der Augen.

So wie die Augen Spiegel der Seele sind, so geben sie auch Hinweise auf die körperliche Verfassung des Menschen. An keiner Stelle des Körpers unterscheiden wir uns so sehr wie in den Augen.

Die Person, der wir die Augendiagnose in der heutigen Form verdanken, ist der Budapester Arzt Ignaz von Peczely (1826-1911). Er erkannte als erster die Zusammenhänge zwischen Krankheiten und bestimmten Zeichen im Auge. Zur selben Zeit machte ein schwedischer Mediziner die gleichen Entdeckungen. Beide verfassten unabhängig voneinander Lehrbücher über ihre Erkenntnisse.

In Deutschland griffen einige interessierte Ärzte und Naturheilkundler dieses Wissen auf. Vor allem der evangelische Pastor und Homöopath August Felke entwickelte die Forschungen seiner internationalen Kollegen maßgeblich weiter. Eine seiner Schülerinnen, Magdalene Madaus, war die erste, die beobachtete, dass bestimmte Augenzeichen auch auf entsprechende homöopathische Mittel zur Behandlung verweisen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann stellte sie Präparategruppen zusammen. Seitdem der Beruf des Heilpraktikers in Deutschland gesetzlich verankert wurde, bemühen sich die Berufsverbände um die Weiterentwicklung der Augendiagnose. Das größte Seminarzentrum für Augendiagnose in Deutschland gründete ein Schüler der Magdalene Madaus in Uslar, den Uslarer Kreis.

Das sprechendste Merkmal der Augen ist die Iris, der farbige Teil. Histologisch zählt das Gewebe der Iris zum Bindegewebe. Die Augendiagnose ist nichts anderes als eine genaue Strukturanalyse des Bindegewebes. Sie hat nichts mit 'Glaskugeldeuterei' zu tun, sondern ermöglicht objektiv fassbare Befunde, die überprüfbar sind.

Als wichtigste Zeichen gelten die verschiedenen Konstitutionstypen der Iris. Die Einteilung in Konstitutionstypen erfasst die Grundbelastung des Menschen und die sich daraus ergebende therapeutische Grundrichtung. Die Konstitution ist angeboren und unveränderlich, sie ergibt sich aus der Farbe und der Struktur der Iris.

Neben der Konstitution sind für die Diagnose die vielfältigen unterschiedlichen Zeichen der Iris, die im Laufe des Lebens entstehen können, von Bedeutung. Sie werden unterschieden nach Helligkeit, Farbe und Form. So deuten z.B. hellweiße Bindegewebsmerkmale auf akute Geschehen hin, dunkle auf chronische Veränderungen. Von Bedeutung ist auch die Lage der Zeichen, die dann auf einen bestimmten Organsektor verweist. Neben der Iris werden aber auch die Pupille, die Skleren (Bindehaut) und die Lider in die Befunderhebung miteinbezogen. Ein gesundes Organ ist nicht durch Zeichen im Auge erkennbar, wohl aber ein geschwächtes oder gefährdetes.

So bereitet die Augendiagnose schon im Vorfeld einer bestehenden Erkrankung die Möglichkeit, Ursache und Tendenz einer Krankheit zu erkennen. Aufgrund der Augendiagnose können oft bereits zu einem frühen Zeitpunkt, in dem sich der Patient vielleicht schon krank fühlt, aber klinische Befunde noch negativ sind, therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden.

Im Rahmen der ganzheitlichen Behandlung des Menschen bietet gerade die Augendiagnose eine großartige Möglichkeit zu Befund und Therapie.

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